Review zu "Horst Schlämmer – Isch kandidiere!"

Die Harburger Anzeigen und Nachrichten, gewissermaßen das örtliche Pendant zum Grevenbroicher Tageblatt und das Cinemaxx Harburg hatten zur bundesweit einzigen HSP-Preview eingeladen.
Der Kinosaal war, trotz fortgeschrittener Uhrzeit und der im Vorfeld eher schlechten Kritiken, gut gefüllt. Etwas unangenehm fiel die SPD-Abgeordnete Monika Griefahn im Foyer auf, die mit (originell, originell) rot gekleidetem Anhang erschien und noch eine kleine Wahlkampfshow inszenierte. Zu diesem Anlass war das Realsatire at its best.
Nach Anmoderation durch die Kino-Geschäftsführung und Verlosung von Nasenhaartrimmer und Shampoo (hüstel) ging es dann los.
Ausführungen zur Handlung erspare ich mir, da diese eigentlich unerheblich ist. Im Mittelpunkt des Films stehen die Auftritte real existierender politischer Personen des öffentlichen Lebens.
Köstlich der Vortrag der Grevenbroicher CDU-Bürgermeisterin zur Neuverschuldung ihrer Gemeinde. 16, 22, 24 oder 26 Mio., es wird nicht wirklich klar. FDP-MdB Otto Fricke lümmelt sich, nach eigenem Bekunden, phlegmatisch in einer Hollywood-Schaukel und erklärt der Welt, warum das eigentlich nicht geht und er doch tatsächlich ein dynamisches Kerlchen ist. Zum Niederknien.
Immerhin, NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers bewies Standing, gewährte dem Grevenbroicher Tageblatt ein “Interview” und beriet die HSP bei der Parteigründung.
Weniger bodenständige Persönlichkeiten, wie Ronald Pofalla und Angela Merkel, werden von Hape Kerkeling selbst dargestellt.
Der Kölner Stadt Anzeiger schrieb als Bewertung und Empfehlung:
“Und? Wie isser so? Och, na ja, isch sach ma, kamman gucken, mussman nich – weisse bescheid.”
Dem kann ich mich nur anschließen. Das Kinoformat mit 90 Minuten war wohl ein wenig zu viel des Guten, aber dennoch ist der Film, insbesondere für Akteure des politischen Geschehens, als Nachdenkhilfe zur Bodennavigation zu empfehlen.
In Zeiten, in denen Realität und Satire, wie im Fall der “Dienstwagenaffäre” von Ulla Schmidt, teilweise fließend ineinander übergehen, zeigt Kerkeling auf, dass augenzwinkernder Humor durchaus demokratiefördernd sein kann. Claudia Roth und Cem Özdemir haben das offensichtlich verstanden und die grüne Partei im Film gut dastehen lassen.
Umso unverständlicher finde ich den Hype in der Berichterstattung oder die offene Empörung, die aus einigen begleitenden Kommentaren herausklingt. Es ist doch nur ein Film…..

Related Posts

Dieser Beitrag wurde unter Hamburg, Harburg abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>