Die Abonnentenverärgerungs-App – Update (16.08.10)

Ich gehöre wohl zu einer aussterbenden Spezies, angesichts von zwei Tageszeitungen, einer politischen Wochenzeitung und einer Sonntagszeitung, die ich im Abonnement in Papierform beziehe.
Die Zukunft ist flach, hat einen Touchscreen, wiegt 680 Gramm, wird in California designed, in China assembled und trägt den Namen Ipad.
Ein solches Ipad befindet sich seit zwei Monaten auch in meinem Besitz. Zum schnellen Zugriff auf das Internet, zum Lesen von Mails, zum Fotobetrachten gibt es m.E. kaum ein Gerät, das sich besser in den Alltagsablauf integrieren lässt. Es gibt Grenzen und Restriktionen, aber das ist hier eigentlich nicht das Thema.
Einige Verleger sehen im Ipad die Rettung des Journalismus und die sprundelnde Geldquelle der Zukunft.
Insbesondere Springer-Chef Mathias Döpfner hat sich als Missionar dieser heilsbringenden Zukunft verschiedentlich geäußert.
Konsequenterweise hat der Axel Springer-Verlag als einer der ersten Anbieter eine App für das Ipad zur Verfügung gestellt. Die iKiosk-App ist kostenlos und bot den Ipad-Nutzern zunächst freien Zugang zu den Zeitungspublikationen BILD (Deutschland, Regional, am Sonntag), WELT (Original, Kompakt, am Sonntag), Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost. In einer zweiten Stufe wurden kurzzeitig auch die BILD-Ableger Computer-, Auto- und Sportbild sowie die BZ freigeschaltet. Nun sind seit Beginn des Monats alle Angebote kostenpflichtig.
Meine persönliche Bewertung:

Mehr Schatten als Licht.
Ich habe im Urlaub an der Ostsee versucht über simyo/Eplus-Edge auf die App zuzugreifen. Nach fünf Minuten habe ich diesen Versuch abgebrochen. Ohne UMTS bzw. WLAN  ist die App m.E. nicht nutzbar. Gravierende Nachteile liegen auch darin, dass es kein Archiv und keine Suche gibt. Man hat immer nur die aktuellste Zeitungsausgabe zur Verfügung, die man durchblättern kann. Lädt man am nächsten Tag eine neue Ausgabe, ist die Zeitung vom Vortag, die man eigentlich bezahlt hat, nicht mehr zugreifbar. Eine Lesezeichenfunktion, wie es Apple mit seiner iBooks-App vormacht, sucht man gleichfalls vergeblich. Nach einem Neustart der App kommt man lediglich auf die erste Seite der Zeitung und muss sich zur vorher gelesenen Seite durchblättern. Das nervt mit der Zeit beträchtlich.

Jens hat im Pottblog noch einiges mehr dazu geschrieben.

iKiosk als eine Art PDF-Reader auf dem Ipad würde ich akzeptabel finden, wenn man dies als kostenloses Zusatzangebot für Abonnenten anbietet, ähnlich wie die bereits erhältliche Epaper-Variante. Auch über einen Zusatzobolus im einstelligen Bereich würde ich zumindest nachdenken.

Absolut empörend finde ich dagegen das gegenwärtige Vermarktungsmodell. Offensichtlich ist es auch  ”Bestandskunden” mit Abendblattabo nur möglich, den Abendblattzugriff über iKiosk zusätzlich zu erwerben und voll zu bezahlen. Neben 28,90 werden dadurch noch einmal 19,99 monatlich fällig.
Zum Vergleich: Ein normales Abo des Epaper kostet lediglich 7,95 € im Monat.
Die Ankündigung von Ende Mai, man werde als Abonnent kostenlos bedient, ist bislang nicht umgesetzt.
Nach irgendwelchen Erläuterungen oder Ankündigungen habe ich auf  abendblatt.de vergeblich gesucht.
Auf eine Email-Anfrage an den Vertrieb, die ich vor 2 Tagen dazu gestellt habe, wurde bislang nicht reagiert.

Meine zweite Frage, ob auch die Regionalteile für einzelne Bezirke abrufbar sein werden, hat man mir gleichfalls nicht beantwortet.

Ich werde die iKiosk-App vermutlich von meinem Ipad löschen.

Update 16.08.10:

Heute erreichte mich, genau eine Woche nach meiner Anfrage, die Antwort vom Abendblattvertrieb.
Für Abendblattabonnenten soll es voraussichtlich innerhalb der nächsten 6 Wochen einen kostenlosen App-Zugang geben.
Die Regionalausgaben werden über iKiosk nicht aufrufbar sein.

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